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68 | 1999

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Daan van Golden. Zwischen den Bildern


(...) Karel Schampers hat im Bezug auf Van Goldens Werk den Begriff Epiphanie verwendet, und dieser ist in der Tat sehr brauchbar, um Van Goldens Vorgangsweise, die er in "Youth in an Art" entwickelt hat, zu charakterisieren. James Joyce und sein Alter Ego Stephen Deadalus haben Anfang des Jahrhunderts die Bedeutung des Konzeptes Epiphanie abgewandelt, von der Offenbarung Gottes in eine Offenbarung persönlicher Art, die ganz banale, alltägliche Anlässe haben konnte. Eine profane Epiphanie, eine kleine Offenbarung, ist es in der Tat, wenn auf einem Bild, das 1989 in Rotterdam entstanden ist, ein Mädchen (oder wahrscheinlich eher eine Frau) auf einer Schaukel im Hintergrund vorbeihuscht hinter Diana und einem anderen Kind im Vordergrund. Dies wirkt vor allem so, weil auf dem anderen Bild der Hintergrund leer ist: Die Schaukel befindet sich nicht im Blickfeld. Solche fotografischen Epiphanien sind, wie Van Goldens Gemälde, Rettungsversuche des Alltäglichen und Vergänglichen. Das Ephemere, das nicht oder kaum zu Erhaschende, ist in einem solchen Bilderpaar wenigstens implizit präsent in den Zwischenräumen der Bilder. Aber auch die "einzelnen" Aufnahmen sind nicht in sich selbst geschlossen, da sie Teil der Serie "Youth is an Art" sind und diese Serie explizit das Vergehen der Zeit (der Kindheit) in den Vordergrund rückt.
Van Goldens Gemälde muten auf den ersten Blick oft geschlossener, selbstständiger an als die Diana-Fotos. Der Künstler betrachtet jedoch schon seit seiner Austellung in Tokio im Jahr 1964 auch seine Gemälde als "Schachstücke", die sich in immer neuen Konstellationen anordnen lassen, verschiedenartige Beziehungen untereinander knüpfen. All seine Werke (Gemälde, Siebdrucke, Fotos) werden von ihm in Ausstellungen und in Publikationen (in Katalogen, auch in dieser Ausgabe von CAMERA AUSTRIA) immer wieder neu angeordnet, so dass sich neue Bezüge ergeben. In Austellungen können verschiedene Arbeiten etwa wegen farblicher Übereinstimmungen zusammengebracht werden, oder weil sie Vögel abbilden, oder weil sie irgend etwas mit Japan zu tun haben. Ständig wird mit neuen Kombinationen experimentiert: Das Buch "Youth is an Art" ist zum Beispiel anders als die gleichnamige Ausstellung in seiner Zusammenstellung. So wie Van Golden Malerei und Fotografie miteinander in Dialog treten lässt, so lässt er auch seine individuellen Werke immer neue Gespräche miteinander führen. So bescheiden ihre Anzahl auch sein mag, die unterschiedlichen Kombinationen lassen Van Goldens Arbeiten immer wieder unter neuen Gesichtspunkten erscheinen.




Textbeitrag in Camera Austria 68/1999, Seite 3 - 14.
 


 
 
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