|
English
Camera Austria
|
Kontakt
|
Impressum
|
Newsletter
|
Presse
|
Mediadaten
|
Bestellen
|
|
||
|
||
|
AKTUELL
ZEITSCHRIFT
AUSSTELLUNGEN
PROJEKTE
BÜCHER
CAMERA AUSTRIA PREIS
BIBLIOTHEK
|
||
108 | 2009
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() € 15.- |
HILDEGUND AMANSHAUSER Ein Gespräch mit Zhao Liang Im Sommer 2009 präsentierte Zhao Liang seinen auf Video gedrehten Dokumentarfilm "Petition" (2009) anlässlich seiner Lehrtätigkeit an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg, nachdem er auch auf den Filmfestivals in Cannes und Locarno gezeigt worden war. Über zehn Jahre lang hatte Liang an diesem Film gedreht und ein Jahr lang 500 Stunden Footage geschnitten. Der Fotograf, Videokünstler und Dokumentarfilmer beobachtete und begleitete Menschen aus ganz China, die nach Peking kamen und dort in einem Slum, dem "Petitioners' Village", lebten, um oft jahrelang beim Büro für Petitionen ihre Anliegen vorzubringen, sich über Unrecht, das ihnen in der Arbeit oder privat widerfahren war, zu beschweren und Gerechtigkeit zu fordern. Das Interview, das Hildegund Amanshauser gemeinsam mit Alice Creischer und Andreas Siekmann führte, fragt nach der Arbeitsweise und dem historischen, gesellschaftlichen und kunsthistorischen Hintergrund der unterschiedlichen Produktionen des 1971 in Dandong in der Provinz Liaoning geborenen Künstlers, der in Peking lebt. (...) HA: Mit den unterschiedlichen Formaten erreichst du unterschiedliche Öffentlichkeiten, die chinesische und die internationale, das Filmpublikum und das Kunstpublikum. Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Öffentlichkeiten für dich? ZL: Ich wende mich in erster Linie an das chinesische Publikum. Meine Arbeit konzentriert sich auf die gesellschaftliche Realität in China und ich wünsche mir, dass sie dazu führt, dass sich etwas in dieser Gesellschaft verbessert, das ist für mich das Entscheidende. Ich hoffe, dass das westliche Publikum eine Ahnung davon bekommt, welche Lebensumstände zur gleichen Zeit an einem anderen Ort herrschen. Ich möchte die Menschen zum Nachdenken bringen. Als meine Arbeit "Petition" in Songzhuang gezeigt wurde, war das Publikum erregt, viele wussten gar nicht, dass Menschen unter so schlechten Lebensbedingungen in China existieren. Aber das, was diesen Leuten passiert war, könnte jedem passieren, das sollte allen klar sein. Die Probleme, die ich im Film "Petition" gezeigt habe, sind große Probleme der chinesischen Gesellschaft, die in der näheren Zukunft gelöst werden müssen. Mir ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen meinen Film sehen, damit sie die Wahrheit erfahren. Wichtig wäre auch, dass "höhere Ebenen" den Film sehen, vielleicht würden sie dadurch unsere Gesellschaft besser kennen lernen und Reformen durchsetzen. Ich habe mir sogar überlegt, dem Vorsitzenden oder dem Minister den Film zu schicken, aber ich habe es nicht getan. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie den Film wirklich ansehen, vielleicht kennen sie die Situation und sie wollen diese nicht ändern, vielleicht können sie es aber auch nicht. Wenn die einfachen Leute meinen Film sehen, finden sie ihn sehr aufregend, vielleicht kann das letztendlich die Regierung beeinflussen. Textbeitrag in Camera Austria 108/2009, Seite 23 - 34. |
ZHAO LIANG, Stills aus: Petition, 2009. 124 min. Courtesy: The Artist; L.A. Galerie - Lothar Albrecht, Frankfurt a.M. und Three Shadows Photography Art Center, Beijing.
|