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  CAMERA AUSTRIA Nr. 108 | 2009

Wir freuen uns, Ihnen das aktuelle Heft – das vierte des Jahrganges 2009 – Camera Austria Nr. 108 vorzustellen, und wie mit jeder neuen Ausgabe dieser Zeitschrift hoffen wir, dass die Themen, mit denen wir uns in den vergangenen Monaten beschäftigt haben, das Interesse unserer LeserInnen finden! In diesem Heft stellen wir neben zwei zeitgenössischen Positionen – Jochen Lempert und Zhao Liang – mit Darcy Lange (1946 – 2005) einen Pionier der frühen Videokunst vor, dessen Werk uns aufgrund seiner künstlerischen und gesellschaftspolitischen Relevanz wichtig erscheint und das wir mit dieser Veröffentlichung wieder in die aktuelle Diskussion hereinholen wollen. Die Singularität von Langes künstlerischer Haltung (mit der sich Mercedes Vincente und Helen Legg auseinander setzen) zeigt sich vor allem in seinem ethisch motivierten Realismus-Begriff und seinem sehr pointierten dokumentarischen Umgang mit den Medien Fotografie, Film und Video. Diese Medien setzte er parallel, zum Teil simultan in seinen "Work Studies" ein, für die Lange in seiner Auseinandersetzung mit der Repräsentation von Arbeit und Arbeitswelt eine konzeptuell und medienspezifisch äußerst interessante Struktur fand.

Die Fotografien des in Hamburg lebenden Künstlers Jochen Lempert oszillieren zwischen wissenschaftlicher Materialsammlung und poetischer Notiz, zwischen Abstraktion und Zeichenhaftigkeit. Diese eindrucksvolle Arbeit (des ausgebildeten Biologen) wird von Chris Sharp vorgestellt, der in seinem Essay den Bogen spannt zwischen Aspekten des Indexikalischen in Lemperts Verwendung des Mediums Fotografie (etwa in Bezug auf Rosalind Krauss' Definition des Index-Begriffs) und des Archivs (etwa in Bezug auf Carl Blossfeldts Naturstudien). Ebenso lohnend ist es, über die technischen Aspekte (laut Sharp ein Anachronismus) dieses Werks nachzudenken, wie es spannend ist, die Aktualität der Fotografien in unserer Auseinandersetzung mit Natur, mit ihrer Wahrnehmung und der Formen ihres Überlebens im urbanen Raum zu überprüfen.

Der in Peking lebende Künstler Zhao Liang bezieht in einem Gespräch mit Hildegund Amanshauser (an dem sich auch Alice Creischer und Andreas Siekmann beteiligt haben) neben anderen Projekten auch zu seinem neuesten Dokumentarfilm "Petition" Stellung. An diesem Film, der auch in Cannes und Locarno gezeigt wurde, hat Liang über zehn Jahre gearbeitet: er begleitet Menschen aus ganz China, die nach Peking kamen, um in einem Büro für Petitionen ihre Anliegen vorzubringen. Sie beschweren sich über Unrecht, das ihnen bei der Arbeit oder privat widerfahren war und fordern Gerechtigkeit. Das Gespräch bezieht sich sowohl auf den gesellschaftspolitischen Kontext, in dem Liangs Arbeit steht, auf die chinesische Öffentlichkeit, an die seine Arbeit adressiert ist, sowie auf die unterschiedliche Rolle und Rezeption seiner Arbeit wie von zeitgenössischer Kunst insgesamt in China und Europa.

In dieser Ausgabe beginnen wir auch eine neue Kolumne, für die wir Jeff Derksen, Schriftsteller und Kritiker aus Vancouver, gewinnen konnten. Er beschäftigt sich mit der Rolle von Kunst und dem Verhalten von Städten bei Mega-Ereignissen (wie der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver): Im Verlauf dieser vierteiligen Serie wird er über die Formen von Öffentlichkeit berichten, die sich an solchermaßen umkämpften, von Hoffnungen, Erwartungen und Widerstand geprägten Orten herausbilden.


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Weitere Informationen:
Margit Neuhold
T. +43 / (0) 316 / 81 55 500
F. +43 / (0) 316 / 81 55 509
E-mail: press@camera-austria.at
 
Zhao Liang, Still aus: Petition, 2009. 124 Min. Courtesy: L.A. Galerie - Lothar Albrecht, Frankfurt a.M. und Three Shadows Photography Art Center, Beijing.
 
 
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