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  WALID RAAD
Camera Austria-Preis der Stadt Graz für zeitgenössische Fotografie 2005

Walid Raads Werk bildet einen der konsequentesten künstlerischen Zugänge zu Fragen der Geschichte, der Massenmedien und der künstlerischen Darstellung der arabischen Welt. Seine Arbeiten etablieren eine präzise Kritik der multikulturellen Narrative aller anderen, nicht zur kapitalistischen Ersten Welt gehörigen Welten. Sein Hauptbeitrag zur zeitgenössischen Kunst, Fotografie und zum Film besteht in seiner vielschichtigen Rekontextualisierung der Diskrepanz zwischen Fiktion und Fakten in der gegenwärtigen Fotografie und Bildproduktion der Massenmedien und zwischen existenziellen und strategischen Bedingungen zeitgenössischer Kunstprojekte. Walid Raads Arbeiten umfassen Textanalysen, Video, Performance und Fotografieprojekte, die sich hauptsächlich mit den Bürgerkriegen im Libanon, den arabisch-israelischen Konflikten und der Theorie und Praxis der Dokumentation beschäftigen. Zu seinen Aktivitäten zählt auch "The Atlas Group", eine von ihm geleitete gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Beirut, die die libanesische Zeitgeschichte dokumentiert. Ferner ist Raad Gründungsmitglied der 1996 in Beirut gegründeten "Fondation Arabe pour l'Image", die sich zum Ziel gesetzt hat, die historische Erforschung der visuellen Kultur der arabischen Welt und die experimentelle Videoproduktion in der Region zu fördern. Die Bedeutung von Walid Raads Werk liegt insbesondere in seiner klaren und tief reichenden Darstellung des Zusammenpralls zwischen den sich als dokumentarisch ausgebenden existenziellen Geschichten und der absolut antidokumentarischen visuellenVorgehensweise, die sich heute auf verschiedenen Ebenen der Bildproduktion zeigt. Raads Werk konfrontiert uns mit der mise-en-scène der Auftritte in Massenmedien, Geschichte und Kunst. Das Ergebnis ist eine sonderbare Erzählung, die nicht ganz stimmt, in der Wahrheit und Falschheit nicht ganz ausgewogen sind und die genau auf die Bedingungen der Konstruktion solcher Bilder und der ihnen zugrunde liegenden Geschichten verweist. So gesehen, lässt sich Raads Werk auch in Zusammenhang mit politischen Geschichtskonstruktionen und mit neuen Verbindungen zwischen Politik und Repräsentation bringen.

Vor dem Hintergrund all dieser Schichten von Walid Raads Werk, das den zeitgenössischen Betrachter dazu bringt, sich Fragen über Sichtbarkeit und über die Interpretation der zeitgenössischen Welt und ihrer Geschichten zu stellen, ist die Jury der festen Überzeugung, dass Walid Raads Werk ein bedeutendes OEuvre für unsere Zeit darstellt, das den Preis und eine besondere Präsentation verdient.
 
Walid Raad,
"Civilizationally We Do Not Dig Holes To Bury Ourserlves", 2003. Courtesy: The Atlas Group.
 
 
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