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  MARIKA ASATIANI
Camera Austria-Preis der Stadt Graz für zeitgenössische Fotografie 2007

Marika Asatiani dokumentarische fotografische Arbeit verlangt eine Auseinandersetzung mit dem Land, in dem sie geboren und aufgewachsen ist und in dem die junge Künstlerin heute auch lebt und arbeitet: Seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 ist das im Norden an Russland, im Süden an die Türkei grenzende kleine Land Georgien von tief greifenden Transformationsprozessen erfasst, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens betreffen, sei es in politischer, ökonomischer, insbesondere aber in sozio-kultureller Hinsicht. Vor diesem biografisch-geografischen Hintergrund erscheint der Zugang Marika Asatianis – die ausgebildete Soziologin ist – zu ihren künstlerischen Projekten besonders interessant (und lohnenswert in die Debatte um zeitgenössische Formen des Dokumentarismus hineinzuholen): Mit ihren Arbeiten verbindet sich nicht nur das Anliegen, Zeit und das Vergehen von Zeit im Raum fotografisch zu dokumentieren, sondern gleichzeitig immer auch das Gesehene und die dokumentarische Praxis in Frage zu stellen und zu bearbeiten.

Marika Asatiani führt das Dokumentarische als Konstruktion jenseits der traditionellen Vorstellung des Dokuments als transparenter Realität vor. Mit ihren Aufnahmen des Alltagslebens zeigt sie, dass die Wirklichkeit ein Konstrukt in der Zeit und ein Konstrukt auf Zeit ist – die dabei gleichzeitig zutiefst real empfunden wird und ist. Marika Asatiani zeigt den Alltag als das Resultat gesellschaftlicher und ökonomischer Gegebenheiten, die instabil sind und sich fortwährend verändern. Ihre Arbeit steht damit in der Tradition von Fotografen, die das Bild des Alltags als Ort verborgener Poetik und Spannungen geprägt und etabliert haben. Gleichzeitig ist es eine Arbeit, die politisch verstanden werden will und vor dem Hintergrund der spezifischen Geschichte des Landes Georgien zu lesen ist. Dabei setz Marika Asatiani eine globale Bildrhetorik ein, um unseren Blick auf ortsspezifische Gegebenheiten zu lenken und diese gleichzeitig in Frage zu stellen.

Die Jury ist überzeugt, dass Marika Asatianis ernsthafte und differenzierte Arbeit einen viel versprechenden Ansatz auch für zukünftige Projekte bietet, dies sieht die Jury als besonders preiswürdig an.

Heft 99 I 2007
DANIEL BAUMANN: Marika Asatiani
 
MARIKA ASATIANI aus der Serie: Achara Untitled, 2006 C-Print
 
 
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